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Klimaschutz für Industriegebiet in Tempelhof

Dienstag, 23. März 2010  - Von Sabine Flatau

Ein Firmennetzwerk im Industriegebiet Motzener Straße im Süden von Tempelhof will zum bundesweiten ökologischen Vorzeigeprojekt werden: durch gemeinsame Nutzung von Ressourcen, durch sparsamen Umgang mit Energie und Wasser, durch gemeinsame Lieferstrukturen.

"Null Emission Motzener Straße" (Nemo) heißt das ehrgeizige Vorhaben. In den kommenden zwei Jahren werden Wissenschaftler der Hochschule für Technik und Wirtschaft gemeinsam mit den Unternehmen untersuchen, welche Möglichkeiten es gibt. Die Umsetzung soll schon innerhalb dieser Frist beginnen.

Elektrobus als Shuttle

Einige Ideen gibt es bereits. Etwa die, die Firmenmitarbeiter zu bewegen, ihr Auto zu Hause zu lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren. Ein Elektrobus könnte als Shuttle zwischen Motzener Straße und den S-Bahn-Stationen Schichauweg und Buckower Chaussee eingesetzt werden.

Ein weiterer Vorschlag: Die mehr als 40 Jahre alte Straßenbeleuchtung soll durch neue Laternen ersetzt werden, die mit Solarpaneelen und kleinen Windrädern an den Masten ausgestattet sind. "Die Energie, die so gewonnen wird, kann für den Betrieb der Beleuchtung verwendet werden", sagt Ulrich Misgeld, Vorsitzender des Unternehmensnetzwerks und Vorstand der Firma Semperlux.

Eine andere Idee sieht vor, die Energiebilanz im Industriegebiet durch Austausch zwischen den Unternehmen zu verbessern. "Es gibt Betriebe, die Wärme freisetzen, wie etwa ein Süßwarenhersteller und zwei Kunststoff verarbeitende Unternehmen", sagt Ulrich Misgeld. "Diese Wärme könnte man woanders nutzen." Zum Beispiel für die Einfamilienhäuser in der Umgebung. Angedacht ist außerdem, dass die Firmen auf ihrem Gelände Regenwasser sammeln und für Produktionsprozesse oder Waschanlagen nutzen. Bereits jetzt hat das Netzwerk eine Einkaufsgruppe, die prüft, auf welchen Gebieten sich die Unternehmen am Standort gegenseitig beliefern können. Semperlux etwa beziehe Kunststoffteile von einer Firma an der Motzener Straße, sagt Misgeld.

Am Standort Motzener Straße sind derzeit etwa 200 Firmen ansässig. 50 gehören dem Netzwerk an. Bei den monatlichen Treffen stellt sich jeweils ein Unternehmen vor und informiert zum Beispiel über den Einsatz regenerativer Energien. Die gemeinsamen Vorhaben, die sich im Rahmen des Projekts Nemo ergeben, sollen auch für andere Industriegebiete anwendbar sein. Ulrich Misgeld: "Was der Technologiepark Adlershof für die neue Industrie ist, das wollen wir für die alte Industrie werden."

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